Freitag, 29. Juli 2016

ru24 Wissen: Expresso und Caffè

photo credit: Connected via photopin (license)

Zeitgenossen, die ein "Internet Kaffee" betreiben, bieten ihren Kunden vielleicht auch zusätzlich zur "Connektivität" auch noch einen "Expresso" an. Das ist alles summa summarum sehr traurig, aber der Ladenbetreiber und sein Kunde merken vermutlich nichts davon.
Andererseits ist es auch nicht immer alles so einfach.

Das Café und der Kaffee heißen in Italien beides "caffè", der Espresso heißt in Frankreich und Portugal tückischerweise wirklich "expresso" mit x, kein Wunder, dass es überall alles drunter & drüber geht.

Für mehr Ordnung in der Welt:


Deutsch   Italien   Spanien Portugal Frankreich
Internetcafé internet café cibercafé Internet-Café cybercafé
Das Café (Ort) caffè café café café
Der Kaffee caffè café café café
Der Milchkaffee caffellatte café con leche café com leite café au lait
Der Espresso café café café expresso expresso
Erstellt mit dem HTML Tabellen Generator von netgrade


Wenn also ein Zeitgenosse beliebiger Abstammung an einem Ort in Europa ein Internetcafé eröffnen und/oder Kaffeheißgetränke ausschenken möchte, dann sollte er vorher in den Duden oder befreundete Werke schauen, denn es ist kompliziert.

Dieser Beitrag ist powered by dict.cc.


Donnerstag, 28. Juli 2016

ru24 Wissen: Weltreligionen & Co. von A-Z

photo credit: 3.9 via photopin (license)

Agnostiker

Man weiß nicht, ob es einen Gott (oder diverse Götter) gibt und kann das aufgrund der Datenlage weder mit "ja", "nein" oder "vielleicht" beantworten.

Atheisten
Sie sind der Meinung, dass die Welt problemlos ohne mystische, höhere Wesen auskommt, zumal man sich physikalische Ereignisse wie Wetterphänomene heutzutage prima selber erklären kann. Wenn man stirbt, ist man tot.

Buddhisten
"Buddha stellte klar, dass er die Lehre nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhalten, sondern vielmehr durch Meditation gewonnen habe. Diese Erkenntnis sei jedem zugänglich, der seiner Lehre und Methodik folge. Er warnte vor blinder Autoritätsgläubigkeit und hob die Selbstverantwortung des Menschen hervor. Er verwies auch auf die Vergeblichkeit von Bemühungen, die Welt mit Hilfe von Begriffen und Sprache zu erfassen, und mahnte gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren eine Skepsis an, die in anderen Religionen in dieser Radikalität kaum anzutreffen ist." (vgl. hier)
Grundgütiger! Das klingt ja schon fast zu vernünftig!


Menschen, die fest im Glauben sind, lesen bitte woanders weiter, danke.


Christen
Nachdem der zürnende Gott des Alten Testaments hinreichend gewütet hatte -- von der Atomisierung ganzer Städte bis hin zur Ausmerzung von 99,99% aller Lebensformen weltweit, gebärdet er sich in Zeiten des Neuen Testaments überraschend gütig -- Kinder verändern ihre Eltern. Sohn Jesus ist ein mit Superfähigkeiten ausgestatteter Halbgott nach antikem griechischem Vorbild. Der bringt mit seiner gewaltfreien Art in Gandhi-Manier die römische Obrigkeit auf die Palme, wird letztendlich verraten, geschunden und gekreuzigt, ohne seine Superkräfte noch einmal einzusetzen. Dank grandioser PR wird aus dieser schroffen 12:0-Niederlage der größte Sieg überhaupt konstruiert. Das war die Stunde Null aller zukünftigen PR-Aktionen überhaupt.

Hinduismus
Vishnu, Washnu, Röngeldöngel. Glöckchenklingeln und Gedöns. Die Einen so, die Anderen so. Vegetarier, Heilige Kühe und Karma. Es ist kompliziert. Für Interessierte: hier.

Judentum
Christentum und Islam haben ihren Ursprung im Judentum. Die älteste monotheistische Religion hat ein Riesen-Feature: das Judentum missioniert nicht und eine Konversion zur jüdischen Religion ist nur mit viel Hickhack möglich. Ultraorthodoxe Juden machen 9% der Bevölkerung Israels aus. Ca. 70% der Männer gehen "keiner Arbeit nach, sondern verbringen ihre Zeit ausschließlich in religiösen Lehranstalten mit dem Studium religiöser Schriften." (Quelle) Viele der Familien leben von Stütze. Der Ernährerjob und die Erziehung der riesigen Kinderschar einer ultraorthodoxen Familie bleibt komplett an der Ehefrau hängen, während der Schriftgelehrte des Hauses auch mal ein halbes Leben mit der Interpretation eines antiken, 6.000 Jahre alten Kommas herumbringt. Läuft!
Neben den optisch auffälligen UO gibt es auch Konservative, Liberale und Reformisten.

Mormonen
Das Buch Mormon ist eine Fortsetzung der Bibel, Es beschreibt die Besiedlung Nordamerikas durch Teile der verlorenen Stämme Israels. Hier gab es z.B. die gottestreuen Nephiten, die von Christus direkt nach seiner Auferstehung in Amerika besucht wurden, um aus erster Hand hart evangelisiert zu werden. Die schurkischen Lamaniten allerdings haben im 5. Jahrhundert die Nephiten vernichtet und dafür von Gott die „rote Karte“ bekommen. Fürderhin mussten die Schufte mit dunkler Hautfarbe leben – aus ihnen wurden die Indianer. Der letzte der Nephiten war der Prophet Moroni. Er schrieb diese Geschichte praktischerweise in einer nur von ihm lesbaren Schrift auf Goldplatten nieder. 1823 ist dem Religionsbegründer Joseph Smith jr. jener Prophet im Staate New York als Engel erschienen, wo er dem Mann Hinweise über den Verbleib der Platten gab. Smith fand die Platten nach vierjähriger Suche (so doll werden die Hinweise nicht gewesen sein) und übersetzte sie mit Hilfe der Sehersteine Urim und Thummim ins Englische. Leider musste er die Platten an den Engel zurückgeben. Im Laufe seines Lebens hatte Smith zudem 133 Offenbarungen, darunter Anordnungen über die Mehrfachehe und die Taufe Verstorbener. (vgl. hier)

Moslems
Als deftiges Kontrastprogramm zum gewaltfreien Jesus marschierte im Jahre 630 n.Chr. Heiland & Haudegen Mohammed mit einer 10.000 Mann starken Armee gen Mekka. Ein eigens dazu abgestellter Bannerträger trug ihm das Kriegsbanner voraus. Rockt!
Dass Frauen laut Koran "außerhalb des Hauses einen Teil ihre Gewandes auf dem Kopf tragen sollen", nehmen viele moslemische Gesellschaften als Anlaß, ihre Frauen nur auszustaffiert wie Kosmonauten aus dem Haus zu lassen. Heutzutage ist der Islam im Grunde genauso gefährlich oder ungefährlich wie das Juden- oder Christentum, was auch daran liegen mag, dass sich die diversen Glaubensrichtungen Sunniten/Schiiten in etwa so grün sind wie Protestanten und Katholiken zu Zeiten Martin Luthers -- und das bereits seit dem Tod des Propheten vor rund 1.500 Jahren, da dieser kein Testament hinterließ.
Übrigens: Der IS hat mit dem Islam so viel zu tun wie die CSU mit dem Christentum.

Scientology
Die vom gescheiterten Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard ("Battlefield Earth") straff hierarchisch aufgebaute, turbokapitalistische Organisation ist ein gutes Beispiel dafür, dass man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit Geld alles erreichen kann, sogar als religiöse Minderheit anerkannt zu werden. Hindernisse jedweder Art sind immer nur temporär, Gegner der Sekte werden einfach mit einer ganzen Flotte von Anwälten in einem super-asymmetrischen juristischen Zermürbungskrieg schlicht weggebombt. Für die Finanzierung des Molochs plündert man die Mitglieder aus, treibt diese dazu gezielt in die Überschuldung. (Mehr dazu). Läuft!

Wicca
Wem die Weltreligionen noch nicht genügend Hokuspokus & Kokolores bieten, für den ist vielleicht eine der Bewegungen des Neopaganismus das Richtige: Wicca -- eine bunte Mischung aus Mysterienreligion, Misteln & Menstruationsblut! (Mehr dazu)

Zeugen Jehovas 
Wer immer schon seine Lebensfreizeit damit verbringen wollte, im Doppelpack mit einer Krampe wie Pik Sieben in zugigen Einkaufsstraßen herumzustehen oder wahllos bei Leuten zu klingeln und ihnen kitschige Traktate zu überreichen, der ist bei den Zeugen Jehovas sowas von goldrichtig! Geburtstage werden nicht gefeiert, Weihnachten auch nicht. Das Sektenmitglied, welches irgendwann im Leben mal auf den Trichter kommen sollte, dass das Dasein ohne Spießer-Sekte theoretisch ganz schön knorke sein könnte, der erfährt auf die harte Tour, wie es ist, plötzlich ohne einen einzigen Sozialkontakt dazustehen, denn die "Zeugen" praktizieren dann harten Liebesentzug. Irgendwann ist man dann vielleicht so dermaßen verzweifelt, dass man ggf. sogar die beiden Doppelkrampen in der zugigen Einkaufsstraße anspricht. Läuft!


Mittwoch, 27. Juli 2016

Bürogeplänkel 60 - Titanen

photo credit: HerrenhäuserGärtenHannover (3) via photopin (license)
Stormin' Norman
Neulich stand ich in der Firmentoilette am Waschbecken und wusch mir die Hände. Über den Gang hörte ich hastige Schritte näherkommen, die Tür zur Toilette flog auf und ein Schemen barst in den Vorraum der Toilette, verschwand lärmend und rumpelnd in einer der beiden Kabinen, die Tür schlug zu, die Verriegelung knallte rein -- ein tosender Titan!
Schlagenden Herzens trocknete ich mir die Hände ab.
Aus einer Laune heraus rief ich dem Herrn hinterher: "Meine Fresse! Da sind ja selbst die Nazis Anno '39 zarter in Polen eingefallen!!" (Merke: Außerhalb von Toiletten sind Nazi-Vergleiche verboten.)
Der Herr schwieg dazu und ich trollte mich.
Einige Tage später grüßte ich im Treppenhausflur den Chef der Nachbarfirma, dieser grüßte nur arg verhalten zurück. Das wiederholte sich mit der Zeit mehrmals.
Soso...


Silent Bob & Silent Jim
Wenn er in der Kabine neben dir sitzt, versucht Silent Bob, nicht das leiseste Geräusch zu machen. Man hört nicht einmal ein Atemgeräusch, keinen Pups, kein Knarzen der Brille durch Gewichtsverlagerung. Silent Bob wartet, bis du weg bist, er sitzt das knallhart aus. Kommt ein Neuer nach dir in die Kabine, dann wartet Silent Bob eben, bis auch der weg ist. Silent Bob ist der Simulation eines Untoten so nahe, wie ein Mensch sein kann. Am Arbeitsplatz scheint ihn niemand zu vermissen, vielleicht denken alle, er ist auf Dienstreise. Ständig.
Silent Jim ist sein Bruder im Geiste. Er macht alles genau so wie Silent Bob, nur atmet er lauter.

Letztens passierte das Undenkbare: Silent Bob saß in der rechten Kabine und Silent Jim in der Linken. Beide saßen es aus, dass der Eine die Toilette vor den Anderen verließ, damit er endlich loslegen konnte. Der halbe Vormittag ging ins Land, ohne dass einer der beiden lautlosen Titanen nachgegeben hätte. Ich vermute, dass Silent Jim wegen böse eingeschlafener Füße kurz ohnmächtig geworden ist und so Silent Bob die Gunst der Stunde nutzte, die Sitzblockade spontan aufzulösen.


P.S.: Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich soeben erfahren, dass es bei den Damen exakt das gleiche Problem gibt, allerdings mit Silent Jane und Silent Mary. Dem investigativem Wesen der Kolleginnen allerdings ist es zu verdanken, dass man eine ziemlich klare Vorstellung davon hat, um wen genau es sich dabei handelt. So viel sei gesagt: Es sind keine Kolleginnen der Nachbarfirma...


Freitag, 8. Juli 2016

Augenkrebs für alle!

photo credit: Meat Grinder zombie via photopin (license)

Diesen Mittwoch war ich wirklich nur "mal eben" im nachbarschaftlichen Wuppertaler Penny, Kieler Str. 38, es ging um etwas Obst und etwas Schnickschnack. Schnell reihte ich mich in die Kassenschlange ein und legte meine drei Polinten aufs Band.
Grundgütiger!
Die Irren hatten ihre Drohung mit Schockbildern, die 2/3 einer Zigarettenschachtel bedecken, wahr gemacht. Doch wenn man Tabaksdosen damit bedruckt, die dicker sind als eine Haushaltsrolle und die halbe Höhe davon haben, dann ergibt das verdammt viel Fläche, zudem die Riesendosen zu viert übereinander und auf 80 cm Breite über dem Kassenband nebeneinender stehen.
Meinen blutenden Augen bot sich dar:
  • Rachenfraß mit drei unfachmännisch plompierten Zahnstumpen (Innenaufnahme)
  • Raucherbein in Aspik mit hohem Krampfaderanteil
  • Raucherlunge im eigenen Saft
  • Kehlkopfkrebs an Geschwulsten
  • multiples Organ-Gedönse
Bei allen Fotos hatte man sehr viel Wert darauf gelegt, bloß keine Ästhetik aufkommen zu lassen, sondern das Ganze war im Stil von vom Inhaber selbst geschossenen, fetttriefenden Essensfotos vom "runtergerockten Griechen anne Ecke" aufgenommen, natürlich mit Blitz und auf Anschlag gedrehten Farben.

Jetzt mal in echt: Es ist nicht erst seit den 80ern bekannt, dass Schock-Bilder die Abzuschreckenden einen Scheiß abschrecken. Warum weiß man solches in der EU nicht? Dann doch bitte lieber jedes Jahr 0,50€ die Preise rauf, ihr Vögel, als Augenkrebs für alle!

Was mich daran wirklich stört: Ich rauche überhaupt nicht und werde mit diesem Shit echt hart belästigt. Ich erklärte der Kassiererin, dass man da wohl über dem Kassenband wohl noch eine blickdichte Wand aufziehen müsse, damit unschuldige Kunden (moi) und Kinder nicht verstört werden. Sie verstand nicht.
"Sie müssen ja nicht hinkucken!", sagte sie.
Is klar.
So funktionieren Leute ja auch.
Geht gar nicht.
Ich bleibe dran.

So eine Sauerei können die sich auch erst trauen, seit der Schmidt tot ist.


Mittwoch, 29. Juni 2016

BREXIT (2016)

photo credit: European Council Meeting, 28 June 2016 via photopin (license)
Da redet der britische Premier David Cameron sich sechs Jahre lang den Mund fusselig, was die EU doch für ein Scheißverein ist, wiederholt sich zur Sicherheit auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit gebetsmühlenartig. Porridge versalzen? Scheiss EU! Ale kälter als Zimmertemperatur? Sodbrennen vom After Eight? Drecks EU! Nach sechs langen Jahren Dauerbombardement mit Camerons Anti-Europa-Politik hatten die Bürger Englands eine recht klare Vorstellung von der Sache. TROMMELWIRBEL!! Jetzt versucht Cameron den ganz großen Coup: Europa mit dem Schreckgespenst eines EU-Ausstiegs noch mehr Extrawürste aus der Lende orgeln und schicko einfach mal die Bevölkerung über BREMAIN oder BREXIT abstimmen lassen. Und was machen die schwachsinnigen Bürger? Oh my gosh! Stimmen die Idis für den Ausstieg! Cameron soll geweint haben, als er das erfuhr.
Wer konnte mit so etwas rechnen?


Mittwoch, 22. Juni 2016

Hyperloop vs. Cargo Sous Terrain


photo credit: Whhhhhiiiiiieeeeeeehhh... via photopin (license)
Eines der nächsten großen Dinger ist der Hyperloop, eine Rohrpostanlage, durch die man Leute mit 1.000 km/h schießt, um sie binnen 30 Minuten von San Francisco nach Los Angeles zu katapultieren, oder von Moskau nach St. Petersburg. Beschleunigung von 0 auf 100: 1,1 Sekunden. Das US-Startup Hyperloop Transportation Technologies will Ende des Jahres in der Wüste von Nevada einen ersten Test unter Höchstgeschwindigkeit laufen lassen (Artikel).
So sindse, die Amis: Immer hart an den Olympischen Idealen "schneller, höher, weiter".

In der Schweiz hingegen gibt es Pläne, zumindest schon mal Waren durch eine unterirdische Röhre zu schicken, den "Cargo Sous Terrain", kurz CST (Video). Im gemächlichen Alpenland setzt man nicht wie in Übersee auf Überschallknall und Schleudertrauma, sondern ganz traditionell auf Beständigkeit: Die Waren sollen mit 30 km/h hochpräzise & automatisiert durch die Röhren tuckern, aber dafür Tag und Nacht.
So sindse, die Eidgenossen, hier muss die Langsamkeit nicht erst entdeckt werden, sie ist Programm.


Donnerstag, 16. Juni 2016

35.000 Jahre Musik

photo credit: Bob Moog fan art via photopin (license)
Schon früh kam ein haariger Zeitgenosse auf die Idee, mit einem Stock auf einen Tierschädel zu schlagen. Der Pock-Pock-Pock-Rhythmus kam gut an beim ersten Publikum an, er lag ihm im Blut wie der Herzschlag der Mutter, in der sie neun Monate lang herangereift waren. Einer blies auf einen Röhrenknochen und ein Weiterer ratschte mit einem menschlichen Unterkiefer auf einer großen Nuss herum. Hier und da machte jemand Tier-Laute nach. Die erste Pop-Band.
Im Hintergrund tauschte jemand vergorenen Fruchtsaft gegen Muscheln.

Mit der Zeit wurden die Instrumente raffinierter: Tierhäute wurden aufgespannt, der Rhythmus machte nun nicht mehr Pock, sondern Bumm. Der getrocknete Darm eines katzenartigen Tiers an einen trockenen Ast als Resonanzkörper gespannt gibt Summ-Summ-Summ den Bass. In den Röhrenknochen eines Schwans werden Löcher gebohrt, eine frühe Flöte. Dazu singt der Schamane die Schöpfungsgeschichte.

In den ganzen letzten 35.000 Jahren wurde zwar wieder und wieder an den Details gefeilt, aber im Grunde blieb alles beim Pock-Pock und Summ-Summ und Klim-Klim: Holz, Tierhaut, Katzendarm und Haar vom Pferdeschweif für den Geigenbogen, etwas Metall hier und da. Ob man nun in einen Röhrenknochen bläst oder eine Piccolo-Flöte aus Metall zu Munde führt, das Prinzip ist das Gleiche. Nur die "Piccolöchen" in der Pause sind Welten entfernt von mit Spucke vergorenem Birnensaft.

Als dann 1964 der erste Synthesizer auf der Bildfläche erschien, war das für die Musik genau so ein Schock wie die Technik der Fotografie für die (ab)bildende Kunst: Robert Moog präsentierte den ersten spiel- und konfigurierbaren modularen Synthesizer. Das von Walter Carlos komplett auf diesem Gerät eingespielte Album Switched-On Bach (1968) wurde zum „meistverkauften Album klassischer Musik“ dieser Zeit. (Bitte den vorhergehenden Satz noch einmal sorgfältig lesen.)
Im Grunde ist damit alles gesagt.

35.000 Jahre alte Methoden der Klangerzeugung sind nun obsolet.

Wer noch heute, im dritten Jahrtausend, auf Tierhäuten herumdrischt oder gefühlvoll an Katzendarm zupft, Schädel aneinender schlägt, manisch mit Kalebassen rasselt und in Röhrenknochen tutet, dieser Mitmensch steht sowas von dramatisch auf verlorenem Posten. Die Erzeugung manuell-analoger Musik ist nur noch überkommenes Brauchtum, ein trotziges "Kunststückchen machen", ein Ringelreihen & Hopsasa von ewiggestrigen Hinterbliebenenverbänden in Anbetracht der Möglichkeiten der Synthese von Geräuschen in der Moderne.
Gleiches gilt für die, die diese Musik dann hören.

Wer mich hier für allzu radikal hält, der darf mir gerne seine Kritik von einem Post-Archaeopterix auf Tontafeln zukommen lassen.


Samstag, 4. Juni 2016

Seuchenvögel

photo credit: Winter Viruses and How to Beat Them via photopin (license)
Wie jeden Mittwochabend schob ich mich letzte Woche durch den Radevormwalder Penny-Markt. Ich grofelte gerade vorne durch die Obstauslagen (man muss ja immer reichlich von dem Zeug für die Fruchtfliegen mit nach Hause nehmen), als ich das Gekläffe hörte.
Irritiert blickte ich mich um und sah eine junge Mutter, die in ihrem Einkaufswagen zwei hart verrotzte Gören in den Laden schob. Der etwa Fünfjährige stand im Wagen, der circa Dreijährige saß in dem Kinderklappsitz. Die beiden Virenschleudern husteten bellend wie die Seehunde und niesten wie die Sittiche, das natürlich alles, ohne je eine Hand vor den Mund zu halten. Durch ihre unterschiedliche Anbringungshöhe und das ständige, leuchtturmartige Schwenken ihrer rotzverklebten Köpfe, verteilten sie ihre Gaben fast schon überoptimal. Wenn das der Ausbruch einer tödlichen Seuche war, dann war das Ende der Welt sehr nah! Noch niemals zuvor hatte ich mir so sehnlich einen Chemturion-Anzug (Abb.) oder wenigstens das Outfit eines mittelalterlichen Pestarztes (Abb.) gewünscht!
Ich versuchte etwas linkisch immer mindestens 12 m strategischen Abstand zu halten, dabei schmiss ich etwas abgelenkt wahllos Lebensmittel in meinen Wagen. Mit der anderen Hand googlete ich die Nummer einer deutschen Seuchenschutzbehörde, aber natürlich fand ich in der Aufregung nur das amerikanische CDC & seinen europäischen Ableger ECDC. Das europäische Zentrum für Seuchekontrolle in Solna, Schweden hatte gerade das West-Nil-Fieber im Angebot, wenn ich es richtig interpretierte. Das half jetzt auch nicht weiter!
Zwischendurch sah ich aus der Ferne, wie die Mutter ihren beiden Seuchenvögeln aus einer Wasserflasche zu trinken gab, sie quasi nachlud -- vielen Dank dafür! Das sputumhaltige Kläffen und feuchte Rotzen verfolgte mich durch den ganzen Laden. Wenn die Mutter ihre Seehunde von der Leine gelassen hätte, dann wäre im Penny sicherlich eine Panik ausgebrochen.
Eine Ein-Mann-Panik.

Erst zu Hause, die Patienten Null waren bereits über alle Berge des Bergischen Landes, entdeckte ich das für die kleinen Schleudern in Deutschland zuständige Robert-Koch-Institut (RKI), gut versteckt auf der sechsten oder siebten Google-Trefferseite, aber da war es natürlich schon zu spät.

Mein linkes Auge juckt.
Habe ich heute leicht überhöhte Temperatur?
Von der Inkubationszeit her passt es.

Gottogott.


Freitag, 3. Juni 2016

ru24 future: Schweizer müsste man sein (2027)

photo credit: Ready to go via photopin (license)
Berlin im Juni 2027: Was gab es noch vor elf Jahren in 2016 für einen Jubel! Die Schweiz hatte ein Jahr früher als geplant und für exakt die veranschlagte Bausumme von 11,83 Milliarden den Gotthard-Basistunnel -- den längsten Eisenbahntunnel der Welt -- fertiggestellt! Das Ding war wahrhaftig 20 km länger als die Linie 10 der Pekinger U-Bahn! Reden wurden gehalten, Kapellen spielten und Angela Merkel -- damals in ihrem 11. Amtsjahr -- fuhr mit diversen zu Tode gelangweilten Funktionären die Strecke ab. Es gab nur eine Frage, die alle umtrieb: Wann würde Deutschland seinen Eisenbahn-Zubringer dazu fertigstellen? Schon damals war die Reaktion der Kanzlerin höflich verhalten. Natürlich hatten die Schweizer gut lachen, sie hatten es bei ihrem Großbauprojekt mehr als einfach gehabt: Es gab ein schweizer Architektenbüro, eine schweizer Tiefbaufirma, schweizer Elektriker, eine schweizer Bauaufsicht. Die Finanzierung: Schweizer. Man könnte sagen: Heimspiel. Und vor allem hatte man es bei diesem Projekt nicht mit der Geissel der Menschheit zu tun bekommen: mit Anwohnern.
Der Nachteil der Deutschen: Das Projekt wurde europaweit ausgeschrieben -- Turmbau zu Babel à la BER & Elbphilharmonie läßt grüßen. Zudem gab es "rund 170.000 Einwendungen von Anwohnern, Gemeinden und Landkreisen zu den Planungen für den Ausbau der Zubringerstrecke Karlsruhe - Basel für den Gotthard-Basistunnel [, diese] verzögern den Bau." (Quelle)
Heute, im Juni 2027 weiß man, dass der läppische ZUBRINGER zum Tunnel teurer werden wird als der ganze Tunnel, denn bereits im März 2027 wurde (inflationsbereinigt) die 12 Milliarden-Latte gerissen. Auch weiß man heute, dass die Fertigstellung vor 2032 kaum zu realisieren sein wird, da noch 28.000 Anwohnerbeschwerden Baumaßnahmen auf dem letzten Teilstück verhindern.

Heute, in ihrem 22. Amtsjahr, schaut die Eiserne Kanzlerin, wie sie vom Volk gerne genannt wird, sicherlich wehmütig zurück auf die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels vor elf Jahren, als Jubel aufbrandete und Kapellen spielten und ihr damaliger Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt versprach, dass Deutschland alles geben werde.
Schweizer müsste man sein.


Donnerstag, 2. Juni 2016

Es war ein langer Weg

Originalfoto
Wenn meine Omma, Jahrgang 1902, für ihren Enkel (moi) Schokopudding machen wollte, dann verrührte sie noch 1980 Speisestärke ("Mondamin", Betonung auf der ersten Silbe) und entfettetes van Houten-Kakaopulver und Vanille-Zucker (= Zucker, in dem seit Monaten zwei echte Vanillestangen stecken), gab das ganze in kochende Vollmilch und rührte noch eine Weile weiter, das Ganze aufkochend (Rezept). Der Pudding wurde köstlich und aus heutiger Sicht vielleicht völlig überraschend kam de Omma ohne die Farbstoffe E102, E104 und E110 aus.

Dr. Oetker, der schon seit 1891 sehr erfolgreich Backpulver zu 10 Pfennig je Tütchen verkaufte, übernahm auch die Pudding-Sparte und bereits zwei Generationen später wusste kaum noch ein Mensch, dass man Pudding auch ohne Dr. Oetker-Tütchen herstellen kann. Flankiert wurden Dr. August Oetkers Bemühungen von Julius Maggi und Carl Heinrich Theodor Knorr. Ihnen gemeinsam gelang es, die deutsche Küche von Grund auf zu revolutionieren: Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist kaum noch jemand in der Lage, Rührei, Bratkartoffeln, Spaghetti Bolognese und Gulasch zu kochen bzw. Brot, Pfannekuchen und Marmorkuchen zu backen, ohne die Additive der Lebensmittelindustrie dazuzukippen.
Verhaltenen Applaus dafür!

400 Artikel (Link) bietet mittlerweile allein der Doktor an. Und es ist für alle was dabei: Das Backpulver für die Omi gibt es immer noch, und für die mental völlig Verrotteten der fünften Dr.-Oe-Generation gibt es im TK "Our Original Pizzaburger", Geschmacksrichtung "Hot Dog" (Bild oben).

178 Jahre Knorr, 126 Jahre Maggi, 125 Jahre Dr. Oetker: Es war ein langer Weg, aber ihr seid ihn gegangen.

Ausblick auf kommende Sensationen: Dr. Oetkers "Our Original Wan-Tan-Burger", Geschmacksrichtung Crème brûlée, "Maggi Fix für Schinkenbrote mit Gürkchen", "Knorr Fix für Spiegelei" und im praktischen Tetrapak "Knorr Fix für 1l kochendes Wasser".
Da geht noch was.