Sonntag, 4. Februar 2018

Zum Tod von Ingvar Kamprad: Alter Schwede & der Tempel der zerlegten Glückseligkeit

photo credit: 2 dogs 06/11/04 14:51:35 SHANGHAI via photopin (license)

Ingvar Feodor Kamprad wurde 1926 im schwedischen Älmhult geboren, und ist dieser Tage mit 91 Jahren in Småland verstorben. Er war einer der reichsten Männer der Welt, trockener Alkoholiker und ein Meister der Steuervermeidung. Aber vielleicht wird man auch nicht Milliardär, wenn man ganz artig seine Steuern bezahlt wie jeder andere Depp.

1943 gründete Kamprad mit zarten 17 Jahren das Unternehmen IKEA. Die folgenden Jahre tüftelte der Jungunternehmer daran herum, auf wen man die schlimmste Arbeit der Möbelindustrie, nämlich das Zusammenkloppen der Einzelteile zu fertigen Möbeln, auslagern könnte. Niemand wollte diese undankbare und schweißtreibende Aufgabe übernehmen – es war ein Dilemma! Vier Jahre Hirnschmalz später gelang es Kamprad 1947 erstmalig, einen Endkunden, Herrn Erik Brantgaard (52), dazu zu bringen, sein neues Sideboard fluchend und wie ein Schwein schwitzend selbst zusammenzuschustern. Hey! Man hatte den Dummen fürs Zusammenbauen gefunden! Zuerst einmal duzte Ingvar Kamprad den Herrn Brantgaard ab sofort, was den nicht wenig irritierte, doch der Stolz über das selbst zusammengebaute Möbel überwog. Das Winz-Unternehmen IKEA begann nach diesem erfolgreichen Test auf der Stelle seinen kometenhaften Aufstieg.
Später kamen Designer wie Tord Björklund mit ins Boot, die auf die Idee kamen, sehr dicke Bretter an die Wand zu dübelten, damit man Firlefanz, Schnickschnack und – dem Trend folgend – das Zweitbuch darauf abstellen konnte. Kamprad, nicht doof, verkaufte den Kunden zum sehr dicken Brett ab sofort auch gleich noch den Schnickschnack und den Firlefanz dazu.

Doch weder Ingvar Kamprad, Tord Björklund und schon gar nicht Erik Brantgaard hätten sich das Gewimmel vorstellen können, welches sich an vielen Samstagen in und um IKEAs abspielt. Wenn man erst auf dem Parkplatz des Möbelhauses ankommt, wenn die kleinen Parkplatzwächter-Wichtel bereits getrocknete Tränenspuren auf ihren roten Wangen haben, dann kann man mit Gewissheit sagen: Ihr seid zu spät! Vielleicht bekommt man noch nach einigem hektischen Gegurke und zehn Minuten Stop & Go einen Parkplatz ganz hinten. Dann lässt man sich vom Strom der Menschen in den Tempel der zerlegten Glückseligkeit treiben. Alles ist schwarz vor Menschen, Kinder wimmeln, wenn sie nicht winseln. Die labyrinthischen Wege kanalisieren die Shoppenden wie Vieh, das langsam voran strebt. Arme greifen im trägen Getümmel rechts und links mechanisch nach Tand und Schnickes, der in riesigen, gelben Umhängesäcken verschwindet. In Sesseln und auf Liegen der Möbelausstellung lungern allerorts Ermattete herum, die nicht mehr aufstehen wollen oder können.

Am Restaurant angekommen, fällt die Wahl nicht schwer. Köttbullar mit Rahmsoße und Pommes sind jetzt das ideale Pflaster für die waidwunde Seele. Nach dem Schlange stehen an Essensausgabe und Kasse kann man nun seine nicht mehr ganz warmen Schweinebällchen in einer der hinteren Ecken des Restaurants hinunterschlingen. Die Cola ist zwar "Refill", aber wer würde jetzt 100 m Luftlinie durch dieses Getümmel auf sich nehmen, sein Glas neu zu füllen? Und weiter geht’s: Wir sind ja nicht zum scheiß Spaß hier!

In der sogenannten „Markthalle“ bewaffnen sich alle mit Einkaufswagen, weil niemand mehr Lust hat, weiterhin wie Flüchtlinge einen (gelben) Sack mit sich herumzuschleppen und sich die Körperhaltung ein für alle Mal zu versauen. Schon drei Meter weiter kommt es zum ersten Einkaufswagen-Stau, an den man sich schnell gewöhnen sollte, denn die nächsten 1,2 Gebäudekilometer legt man ausschließlich mittels Stop & Go zurück. So hat man indes genug Zeit, sich mehr Firlefanz und Schnickschnack zu greifen, als einem lieb ist.
Kaum eine Stunde später ist man sogar durch die Kasse, zahlt überraschenderweise einen dreistelligen Betrag für brachial parfümierte Kerzen in Gläsern und allerlei Gegenstände, an die man keine Erinnerung mehr hat, dass man sie je in den Einkaufswagen gelegt hat.
„Ist das überhaupt unser Wagen?“, fragt jetzt jemand.
Bevor man zu viel darüber nachdenkt, kann man sich jetzt noch direkt hinter den Kassen nach bester IKEA/Kamprad-Tradition ein Hotdog aus synthetischen Zutaten selbst zusammenbauen und es selbstverständlich lauwarm herunterschlingen.

Achtung: Wenn man die Kofferraumklappe noch geschlossen bekommt, dann hat man es nicht richtig gemacht. Zur Strafe muss man dann am nächsten Samstag wieder hin.

Wer nun denkt, er hätte das Schlimmste hinter sich, darf erstmal auf der A1 im Stau stehen, muss dann zu Hause noch Möbelpakete schleppen, deren Inhalt zusammensetzen und dabei wie ein Schwein schwitzen, wie seinerzeit der Herr Erik Brantgaard vor unglaublichen 70 Jahren.

Es ist wie mit der großen Portion Köttbullar. Man hat Bock drauf, aber wenn man einen Teller davon auf hat, denkt man, man könnte nie wieder einen essen.
Bis zum nächsten Mal.


Irgendwo in einem schwedischen IKEA gab es nun eine Durchsage: „Ein alter Schwede möchte aus dem Småland abgeholt werden“.
Well done, Mr. Kamprad.


Freitag, 19. Januar 2018

Vatter 6 - Familienpfiff

photo credit: Sumarie Slabber GREY Go-away-bird via photopin (license)

Früher wurde mehr gepfiffen, das finden zumindest fast 60% aller Befragten einer Studie.
Bei uns zu Hause gab's einen Familienpfiff.
Wann immer de Vatter z.B. von der Arbeit heimkam -- die Klinke noch in der Hand --, dann pfiff er in die Wohnung hinein, als Erkennungszeichen, dass er wieder zurück war. Es war ein dreitönender Pfiff ohne Pause zwischen den Tönen -- Hüü-o-Hitt. Mit der Zeit gewöhnten sich alle vier Familienmitglieder das bei ihrer Heimkehr an, allerdings konnte meine Mom nicht wirklich pfeifen, sie war ja nicht Ilse Werner. Wenn man also nichts hörte, dann war es Mom, die nach Hause kam. Die Vögel, die wir im Laufe der Jahre gehabt haben, lernten als erstes, unseren Familienpfiff nachzupfeifen.
Doch eines Tages in den frühen 2000ern war es damit vorbei: Seit de Vatter nicht mehr unter uns weilte, hatte es sich irgendwie ausgepfiffen.


Sonntag, 14. Januar 2018

ru24 future: Fernsehserien, die zu meinem Alter passen (1976-2053)

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1976 lief auf ARD die sechsteilige Minisierie "Das Haus der Krokodile" mit Thommi Ohrner in der Hauptrolle -- nerverzerfetzend spannend!
"Während seine Eltern im Urlaub sind, will der zwölfjährige Victor Laroche (...) das Geheimnis um den Tod eines Mädchens lüften, das 20 Jahre zuvor im gleichen Haus über ein Treppengeländer stürzte." (Link)
Mit 11 war ich sowas von die Zielgruppe -- bibber!

ZDF zeigte 1995 die Miniserie "Um die 30", leider nur 7 Folgen.
"Die einen kurz vor dem Anfang einer Ehe, die anderen kurz vor dem Ende. Beziehungskrisen, Kinderwünsche und unsichere Geschäfte sorgen für ein buntes Durcheinander in dieser (...) Komödie voller (...) Charakterfiguren." (Link)
Mit 28 war ich sowas von in der Zielgruppe!

"Der Lack ist ab" (2015 ff.) ist eine deutsche Serie mit Kai Wiesinger und Bettina Zimmermann und läuft mittlerweile in der vierten Staffel auf Amazon Prime.
Protagonist Tom ist knapp über 50, ständig stehen neue Herausforderungen ins Haus: Lesebrille ja oder nein?, Testament machen pro und contra, wie gehe ich damit um, dass mein pubertierendes Kind ohne mich kifft? (Link)
Mit meinen 50 bin ich ja voll in der Zielgruppe!



Welche Serien sind was für mich in kommenden Lebensjahrzehnten?
Ausblick auf kommende Serien-Sensationen, passend zu meinem Lebensalter:



67: "The Gap" (Serienstart September 2034)
Josh Borrows ist in Rente. Mit einem VR-Headset der vierten Generation streift er nun täglich länger und länger durch die Welten des Internets, findet Freunde, eliminiert Feinde und gelangt so zu Ruhm und Ehre. Währens seine diversen Spielerkörper (in der Virtualität) ständig athletischer werden und Features anhäufen, wird Josh's wirklicher Körper im sog. "Meatspace" auf einer Konturliege liegend, zunehmend zu einem Problem. Und plötzlich greift ein scheinbar übermächtiger Feind auf beiden Fronten gleichzeitig an (S1E8: "Jack in the Box")...
(Die Serie basiert auf den Filmen "eXistenZ" (1999) und "Ready Player One" (2018))

79: "Memento Detectives" (Serienstart: Mai 2046)
Carl M. Hayes war vor seinem Ruhestand vor 15 Jahren hochdekorierter Detective beim NYPD und übernahm seitdem in seiner Freizeit immer wieder Fälle für Freunde, Nachbarn oder sogar für sein altes Department, wenn dort Not am Mann war (S2E12: "Die Epidemie"). Als bei Carl Demenz diagnostiziert wird, hängt er sein Ermittler-Hobby an den Nagel. Doch als Terroristen sein altes Department mit Mann & Maus in die Luft jagen, beschließen Carl und seine ebenso wie er pensionierten und dementen Buddies Kruger und Estevez, den Täter zu ermitteln. Unterstützt werden sie nur von ihren untereinander weitestgehend inkompatiblen, kaum je upgedateten digitalen KI-Assistenten. Manchmal verheddern sich ihre Gehhilfen. Der Clou: Gemeinsam haben sie noch 33 Tabletten des experimentellen, nanitischen Medikaments "5hr|k3" (Shrike) aus Armeebeständen, welches die Folgen der Demenz für bis zu 12 Stunden vollständig aussetzen kann.
(Die Serie basiert auf den Filmen "Memento" (2000) und "Ohne Limit" (2011))

86: "Gone & Arrival" (Serienstart: Mai 2053)
Seit seiner Kindheit in den 70er Jahren des 20 Jahrhunderts wartet der SF-Fan und Buchautor Hiram Mills darauf, dass Außerirdische auf der Erde landen. Doch nichts passiert! Dann endlich, Hiram ist 85, erscheinen die Schiffe der Aliens am Himmel. Er ist wie elektrisiert, er isst nicht, trinkt nicht, findet keinen Schlaf -- er absorbiert förmlich jede Nachricht über das Ereignis. Erst eine Woche später begreift er, dass er längst tot ist und nur seine Seele oder was auch immer in der Realität verblieben ist (S1E6: "Eiswasser"). Während er weiterhin kontinuierlich mehr und mehr Wissen über die Aliens anhäuft, stellt er fest, dass er mit seinem Zustand nicht alleine ist (S1E8: "Mona") -- und dass die Aliens das wissen.
(Die Serie basiert auf den Filmen"The Sixth Sense" (1999) und "Arrival" (2016))


Samstag, 13. Januar 2018

ru24 Tipp: Drei wirklich großartige Filme über die ganz große Kohle

BERNIE MADOFF, photo credit: labguest The Made Off Dollar via photopin (license)

The Wolf of Wall Street
Dieses epische 3-Stunden-Biopic unter der Regie von Scorsese basiert auf der wahren Geschichte des Jordan Belfort, der als einer der reichsten, skrupellosesten und betrügerischten Börsenmakler der Wall Street ein überkrasses Jet-Set-Leben mit Koks und Nutten führte, bis Fahnder in sein Fahrwasser gerieten. Absolut kurzweilig mit einem wirklich grandiosen Leonadro Di Caprio. Allein die Lamborghini-auf-Drogen-Szene ist mit das unfassbar Witzigste, was ich seit geraumer Zeit irgendwo gesehen habe. Bäng!
179 Minuten, 2013, Wiki, Regie Martin Scorsese



The Big Short
Der mit Stars in schrulligen Rollen gespickte, Oskar-prämierte Film ist spannend und unterhaltsam, trotz des vordergründig trockenen Themas "Immobilenblase". Der Film zeigt sehr plastisch, wie die Protagonisten Schritt für Schritt dahinter kommen, dass der Immobilenmarkt kurz vor dem Zusammenbruch steht, obwohl alle Immobilenpapiere von den Großbanken Top-Rankings bekommen. Absolut sehenswert. "Die im Jahr 2007 beginnende Finanzkrise, die Teil der Weltwirtschaftskrise war, wurde im Sommer 2007 durch die US-Immobilienkrise eingeleitet. Sie war die Folge eines spekulativ aufgeblähten Immobilienmarktes in den USA. Sprunghaft ansteigende Zinsen für Interbankfinanzkredite bewirkten das Platzen der Blase am 9. August 2007." (s. a.a.O.)
130 Minuten, 2015, Wiki, Regie Adam McKay



The Wizard of Lies
2008 wurde Bernhard "Bernie" Madoff wegen Anlagebetrugs zu 150 Jahren Haft verurteilt. Bevor sein Schneeballsystem (engl. "Ponzi-scheme") aufflog, war er der Star unter den Wertpapierhändlern und Investoren. Madoff verbrannte mit seinem "System" 50 Milliarden Dollar an Kundengeldern zu Asche, von den 4.800 Geschädigten brachten sich nicht wenige um. Bemerkenswerte Verfilmung eines Höhenflugs -- mit Robert DeNiro und Michelle Pfeiffer -- der wahrhaftig vollständig endet wie eine antike, griechische Tragödie.
132 Minuten, 2017, Wiki, weitere Info, Regie Barry Levinson


Samstag, 23. Dezember 2017

Use the force, Luke!

STAR WARS, (aka STAR WARS: EPISODE IV - A NEW HOPE), Carrie Fisher, Mark Hamill, 1977
photo credit: Vernon Area Public Library MSDSTWA EC008 via photopin (license)

Charakterdarsteller wollte er werden, dann verkörperte Mark Hamill den Luke Skywalker in den Star-Wars-Episoden 4 bis 6.
"Luke war die naive Unschuld vom Lande, eine männliche Dorothy aus "Der Zauberer von Oz", weggeweht von der Farm seines Heimatplaneten Tatooine in die große weite Welt" (Quelle).
Fortan war Mark Hamill für die Welt "Luke", egal, ob er tankte ("Use the force, Luke!"), Obst pflückte ("Use the force, Luke!"), oder es bei ihm auf der Toilette mal wieder etwas länger dauerte ("Use the force, Luke!"). Von nun führte er tausende Interviews, war auf jedem Erdteil bekannt wie Elvis oder Gandhi und erhielt tonnenweise Liebesbriefe. Man kann sich mit so etwas arrangieren ohne in der Psychiatrie zu landen. Man kann nämlich auch Pech haben wie z.B. der Kinderdarsteller Jake Lloyd, der als Zehnjähriger den jungen Anakin Skywalker in “Die dunkle Bedrohung” (1999) spielte (Quelle). Der Knabe hatte nach Power-Schulmobbing und 60 Interviews am Tag nämlich irgendwann mal das Ritalin auf.
Mark Hamill hatte da mehr Glück, er war 1977 schon 26 Jahre alt, als sich seine Welt radikal und für immer änderte. Nach der Star-Wars-Trilogie spielte er u.a. in Off-Broadway-Stücken und gab nach der Show dennoch tapfer weiterhin Autogramme auf Lichtschwerter und sonstige Star Wars-Devotionalien, die man ihm hinhielt. Da mag es helfen, ein paar Jahrzehnte lang einen guten Psychologen zu haben -- und ein tapferer Mann muss man sein obendrein.
Plötzlich, unwahrscheinlicherweise über 30 Jahre nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" von 1983 soll er wieder "seine Rolle" in "Das Erwachen der Macht" (2015) spielen und er sagt ohne unwürdiges Geschacher mit dem Studio einfach zu -- Bang!
Und dann der Schock: Das Drehbuch musste man bis zur allerletzten Seite, bis zum allerletzten Absatz lesen, um die Rolle von Hamill in dem Film überhaupt zu finden.
WTF? (Where's The Force?)
2017: Neuer Star Wars-Film, neues Glück!

+++ SPOILERWARNUNG, für alle, die "Star Wars: Die letzten Jedi" noch nicht gesehen haben +++

Star Wars: Die letzten Jedi
Jeder vernunftbegabte Kenner der Materie hätte nun angenommen, dass Master Luke jetzt in "Star Wars: Die letzten Jedi" auf seiner Insel mal flott die Ausbildung von Rey in die Hand nimmt, denn sie ist echt eine Gute und hat es wirklich bitter nötig. Vor dem inneren Auge hat man bereits Szenen, die ans Dagobah-System erinnern. Doch das Drehbuch will von Luke, dass er den verbitterten Jedi-Meister gibt, der sich der Ausbildung Reys verweigert. Eigenartigerweise gipfelt die Verleugnung all dessen, was seit 1977 bei Star Wars das Nonplusultra war, darin, dass Luke jahrtausendealte Jedi-Werke verbrennen will und ein übermäßig alberner und sich lächerlich machender Yoda in Form eines Macht-Geists ihm auch noch dabei hilft. WTF? (Where's The Force?) Am Ende des Films löst sich Master Luke zu allem Überfluss auch noch verstörend unmotiviert in einen ebensolchen Macht-Geist auf.

WTF???

Das jener verbitterte Mann nicht Luke Skywalker ist, das weiß nicht nur jeder Zuschauer, der älter ist als 30, das weiß auch der jahrzehntelange Hüter der Rolle, der Schauspieler Mark Hamill selbst.
Armer Kerl.
Was für eine beschissene Rückkehr zu der Rolle seines Lebens.
Das läßt mich an Depeche Mode denken:
"I don’t want to start any blasphemous rumours,
But I think that God’s got a sick sense of humour,
And when I die I expect to find him laughing." (Quelle
Use the force, Luke!


Interview mit Mark Hamill in der FAZ


Dienstag, 19. Dezember 2017

Apokalypse now

photo credit: kimbareimer Engel der Gas-Apokalypse via photopin (license)

Vor einigen Wochen tauchte an unserer Wohnungstür ein Unitymedia-Apokalyptiker auf. Meine Frau öffnete ihm untertags in der Woche die Tür, als sie im Homeoffice arbeitete. Während die Jehovas Zeugen in der Beliebtheitsskala des durchschnittlichen Bundesbürgers etwa bei Fußpilz rangieren, ist der Unitymedia-Apokalyptiker eine ganz neue Klasse von Ärgernis.

„Guten Tag. Unitymedia. Vertragswechsel. Mit dem Vermieter ist alles abgesprochen, alle anderen Mietparteien haben bereits unterschrieben. Unterschreiben Sie jetzt, oder wir drehen Ihnen morgen alles ab, Fernsehen und Internet — und glauben Sie nicht, dass Sie dann noch nachträglich irgendetwas dagegen tun können!“, dröhnte der Drückerkolonnen-Jockel.

[UM 1, 18-25] Und so also sprach er: Und siehe, ich komme im Namen dessen, der euch Obdach gewähret hat und ich sage euch, dass alle, die mit euch hausen hiererorts bereits freudig sich der Sache hingegeben haben. So denn auch Ihr euch blind im Vertrauen in meine Hände begebt und euren Namen setzet auf diese Schriftrolle, so will ich euch fürderhin geben laufende Bilder und schnelle Kunde durch den weisen Draht; So Ihr denn aber zweifelt, Ihr euch verweigert, wehe euch, so seid Ihr verdammt. Denn so spricht der Herr: Den Zweiflern aber soll verdorren der weise Draht; mit Taubheit und Blindheit seien sie geschlagen in ihrer eigenen Wohnstatt. Und ihr Weinen und Flehen und ihre Gebete sollen unerhört bleiben immerdar.

Hey! Geht es vielleicht noch eine Nummer größer?
Meine Frau indes sagte „Nein.“
Sehr cool!
Der Typ zog spuckend und ärmelrauschend mit seinem fahlen Azubi von dannen und ward nicht mehr gesehen. Passiert ist nix, kein Frosch-, Asche-, Schwefel-, Säure- oder Lavaregen.
Bislang.

Wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich seinerzeit meine Ausbildung als stummer, blasser Sidekick eines Unitymedia-Drückerkolonnen-Jockels gemacht hätte?


Freitag, 15. Dezember 2017

Serien-Empfehlungen 4 -- Gutes zum Fest

photo credit: mripp Our Darkness via photopin (license)

Ihr Lieben, zum Fest meine aktuellsten Serienempfehlungen:



Crime

Manhunt: Unabomber (Wiki): Für den Discovery-Channel gedrehte Miniserie über den Profiler Jim „Fitz“ Fitzgerald, der neue Wege ging, um den „Unabomber“ Ted Kaczynski dingfest zu machen, der zwischen 1978 und 1995 16 Briefbomben innerhalb der USA versandte. Während der Profiler neue Wege beschreitet, wirft ihm ein über-bürokratisches FBI nur Knüppel zwischen die Beine und kommt nicht gut weg dabei. Die erste Staffel ist der Auftakt zu einer Anthologie von berühmten Kriminalfällen, die jeweils in einer separaten, abgeschlossenen Staffel behandelt werden sollen. 8 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)

Mindhunter (Wiki): 1977: Die Kriminalpsychologie steckt noch in den Kinderschuhen. Zwei FBI-Agenten beginnen quasi in ihrer Freizeit, zuerst noch im Alleingang und mit viel Enthusiasmus, in den Gefängnissen des Landes Serienmörder zu befragen, um so allgemeine Rückschlüsse auf ihr Verhalten zu ziehen. Das Wissen dieser neuen Wissenschaft soll helfen, aktuelle Serienmorde aufzuklären. Die Serie bekam 96% bei Rotten Tomatoes. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


Comedy

Patriot (Wiki): Unser melancholischer Held, der lieber klampft statt kämpft, soll undercover mit einer Rohrfirma nach Luxemburg reisen um dort mittels der Übergabe von zwölf Millionen Euro die Geschicke im Iran so umzulenken, dass dort der für Amerika genehme Präsident an die Macht kommt. Leider gelangt das Geld immer wieder in die falschen Hände, während sich das Netz der Luxemburger Polizei enger und enger zieht, Iraner und brasilianische Ringer die Beute umkreisen wie Geier und die Kollegen der Rohrfirma nach und nach -- quasi als Roadkills -- auf der Strecke bleiben. Grandios. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2015)

Haters back off (Wiki): Schriller Quatsch um die hart verblödete und dramatisch unbegabte Sängerin Miranda (verkörpert von youtube-Star Colleen Ballinger), die sich auch dank der aufopfernden Unterstützung ihres mit geistigen Gaben nicht allzu gesegneten Onkels für eine große Nummer hält. Mit dem Youtube-Channel "Miranda sings" soll der große Durchbruch gelingen. Hier geben die ironischen Kommentatoren den Haters die Klinke in die Hand, aber all das wird nur als Zeichen frühen Ruhms angesehen. Zum Totlachen, ist aber nur in kleinen Dosen zu genießen. 16 Folgen in 2+ Staffeln (EA: 2016)


Dramedy

Atypical (Wiki): Der 18-jährige, autistische Sam Gardener möchte die Liebe finden und verkuckt sich erst einmal in seine Therapeutin. Seine Eltern und seine Schwester geben ihr Bestes, doch alle lassen Federn, wachsen aber auch über sich hinaus. Bittersüße coming-of-age Dramedy, nicht zu ernst, nicht zu viel Tiefgang, TV-Dinner-tauglich. 8 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


Mystery

Dark (Wiki): Erste Netflix-Serie, die komplett in Deutschland entwickelt, produziert und gefilmt wurde. In der (fiktiven) waldumstandenen Kleinstadt Winden steht ein Atomkraftwerk. Seit drei Generationen verschwinden in der Stadt immer wieder Kinder, deren Verschwinden niemals aufgeklärt wurde. Der Hauptprotagonist ist der fast erwachsene Schüler Jonas, der nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie aufgrund des Selbstmordes seines Vaters wieder in die Stadt zurückkehrt. Urst finstere Zeitreise-Mystery. IMDb wertet die Serie mit 8,8 von 10 Punkten. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


SF

Star Trek: Discovery (Wiki): Die Serie spielt 10 Jahre vor Kirks "Raumschiff Enterprise" in der Original-Zeitlinie des Franchise. Die von Vulkaniern erzogene, menschliche Sternenflottenoffizierin Michael Burnham kennt sich bereits mit Klingonen aus, als sie auf der USS Shengzhou eine folgenschwere Entscheidung gegen den ausdrücklichen Befehl ihres Captains fällt -- um einen Krieg Sternenflotte vs. Klingonen zu verhindern. Die aufgrund dieses fast schon antiken Dilemmas in Ungnade Gefallene ist aber dadurch genau die Richtige, um auf der geheimnisvollen USS Discovery ihren Dienst unter dem noch geheimnisvolleren Captain Gabriel Lorca anzutreten. Arg schrundige Klingonen. Not bad, erstmal, allerdings hätte man sich den hyper-unrealistischen Parallelwelt-Quatsch am Ende der Staffel echt schenken können. 10+ Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)

Mars (Wiki): Im Jahre 2033 startet in dieser Doku-Drama-Miniserie die Daedalus mit ihrer sechsköpfigen, internationalen Besatzung zum Mars, als Vorhut einer Besiedelung des Roten Planeten. Doch bei der Landung geht einiges schief, die Landezone wird verfehlt und der Captain schwer verletzt. Während die Besiedlung des Mars in kleinen Schritten und Rückschritten voranschreitet, gibt es immer wieder Rückblenden auf die Gegenwart und es kommen Forscher, Idealisten und Pioniere zu Wort. SF-Infotainment. 6 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2016)

Die gute Nachricht: "Black Mirror" (Wiki) Staffel 4 startet ab 29.12. (nun von Netflix produziert), klasse Rezension & Trailer schon jetzt auf Wired.


Superhelden

The Tick (Wiki): In "der Stadt" sind Superhelden und auch Superschurken ganz normal. Arthur, ein nerdiger Bilanzbuchhalter wurde als Kind Augenzeuge, wie sein Vater durch das Auftauchen von "The Terror" ums Leben kam. Doch nun ist der Superschurke angeblich tot. Besessen von dem Gedanken, dass "The Terror" in Wirklichkeit noch lebt, nimmt Arthur seine dilettantischen Untersuchungen auf. Plötzlich findet er sich unfreiwillig als Sidekick an der Seite des schrulligen "The Tick" wieder, einem nahezu unzerstörbaren Superhelden im blauen Insekten-Anzug. Sehr, sehr witzig. Absolut großartig ist Schauspieler Jackie Earle Haley (Watchmen's Rorschach) als Überschurke. 6 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2016)


Tipp zur Weihnachtszeit: kontrapunktivisch zu "Schalalala" und "Last Christmas" empfehle ich zum Hören den Soundtrack von "Mr Robot" (Spotify). (Wiki)



Samstag, 9. Dezember 2017

Mein erfolgreichster Baumarkt-Besuch seit drei Jahren

photo credit: essenstweet Frikadellenbrötchen @ Residenz Kino via photopin (license)

Den BAUHAUS-Baumarkt in Münster mit seiner 20.000 m² Verkaufsfläche betrat ich nur, weil ich seine Kundentoilette besucht habe.
Yay! Das war mein erfolgreichster Baumarkt-Besuch seit drei Jahren! — Kein „die-Hacken-ablaufen“, keine Suche nach dem einen zuständigen Mitarbeiter, keine 1,75 Regalkilometer voller in Asien zusammengeklopptem, minderwertigen Tand zu überteuerten Preisen. Einfach nur „easy in, easy out“.
Naja, fast.
Am Ausgang gab’s eine im Baumarkt eingezeckte Bäckereifiliale (eine "Aufbäckerei"), ist ja modern, dieses Shop-in-Shop-Gedöns. Der Bäckereitresen war mindestens acht Meter lang. Ich machte einen Schritt darauf zu und löste damit versehentlich bei einer der Bäckereifachverkäuferinnen eine Art Annäherungsalarm aus. Sie federte hinter dem Tresen hoch wie an einer Mechanik befestigt. Ihre Augen fixierten mich, sie fasste mich mit einem Blick wie der RIDGID Parallelschraubstock „Matador“ mit einer Backenbreite von 120 mm, den es irgendwo schräg hinter ihr in 550 m Luftlinie zu erwerben gab. Ich hatte von der Auslage ja bereits einen stolzen 20 cm-Ausschnitt begutachten können! Eigentlich hätte ich gerne mal wenigstens fünf Sekunden lang geschaut, was es überhaupt im Angebot gab!
„Was kann ich für Sie tun?“, plärrte sie in der Stimmlage eines preußischen Feldwebels und ließ mich keine Sekunde aus den Augen.
Meine Herren!
„Ich habe keinen Schimmer, was sie so verkaufen!“, mopperte ich.
„Nehmen S‘e ‘n Frikadellenbrötchen mit Krautsalat!“, befahl die Fachkraft.
„... O.K.!“
War übrigens ‘ne Top-Entscheidung.

Fazit: Wenn man den Baumarkt gar nicht betritt, sondern nur den Parkplatz und die Toilette benutzt, vielleicht noch von einer Shop-in-Shop-Bäckerei-Fach-Domina das Richtige aufs Auge gedrückt bekommt — wenn einem soviel Gutes widerfährt, dann sollte man ganz schnell sehen, dass man Land gewinnt.
Besser wird es hier nicht mehr.


Donnerstag, 7. Dezember 2017

Queen Mom 30 — Tempo-räre Erbmasse

photo credit: Hans-Michael Tappen Archiv C685 "Hell fließen die Tränerl", Karte (front), 1905 via photopin (license)

Meine Mutter Queen Mom lebte von 2013 an bis 2014 im Johanniter-Altenheim.
Wann immer mein Bruder, TW oder ich zu Besuch kamen, fragten wir, was wir ihr beim nächsten Mal mitbringen sollten. Die Antwort fiel nach kurzem Überlegen immer gleich aus: „Och, Tempo-Taschentücher!“
Die Jahreszeiten flogen nur so dahin. Wir Verwandten brachten fein Woche für Woche unsere Großgebinde Tempos mit. Das Johanniter-Altenheim bekam einen Anbau. Das Johanniter-Altenheim bekam einen weiteren Anbau. Meine Mutter verstarb. Mein Bruder und ich saßen mit der Heimleitung Frau Birte Schweineweich-Przybicky in ihrem Büro und besprachen die Auflösung des Zimmers meiner Mutter.
„Wir nehmen dann jetzt alles mit“, sagten wir.
„Haben Sie einen Tieflader dabei?“, fragte Frau Schweineweich-Przybicky humorlos.
Wir verstanden nicht. Frau Schweineweich-Przybicky stand wortlos auf, strich ihren Rock glatt und führte uns zum neuen „Lager-Anbau I“. Der 15 x 12 m umfassende Innenraum war bis zur Decke hoch mit Tempo-Taschentüchern gefüllt.
Wir Geschwister bekamen Augeninnendruck.
„Anbau II ist nur zu einem Drittel voll“, beruhigte sie uns.

Mein Bruder und ich beschlossen, unser Erbe geschwisterlich untereinander aufzuteilen.
In einer Nacht- und Nebelaktion, in der ein arg zweckentfremdeter Ziehharmonika-Linienbus namens „Sonderfahrt“ *zwinkerzwinker* und die Sieben Zwerge eine Rolle spielten, verschaffte ich mein Erbteil nach Wuppertal. Der Dachboden unseres Mietshauses, den ohnehin nie jemand verwendete, war plötzlich zu 100% wärmeisoliert, dito unser kompletter Keller. In unserer Wohnung gab es keine Schublade oder Ritze, die nicht von Tempotaschentüchern übergequollen wäre. Die Tempopackung in meiner Hemdtasche trug etwas auf.
„Wir brauchen nie wieder Taschentücher kaufen!“, freute ich mich.
„Och, Quatsch!“, sagte die beste Ehefrau von allen, „Sowas sagst du doch ständig, und dann hält es nicht mehr lange.“
Ich kicherte etwas irre vor mich hin.

Der Herbst kam. Die Blätter fielen und die Erkältungssaison war eröffnet.
„Hatschu!“, sagte die Gattin, nahm ein Tempo, schneuzte hinein und warf es weg.
„Gesundheit!“, sagte ich.
Es wurde März.
„Bringst du bitte Taschentücher vom Einkaufen mit?“, bat sie.
Mir wurde schwarz vor Augen.
Es war wohl dank meiner besseren Hälfte doch nur eine Tempo-räre Erbmasse gewesen.

Donnerstag, 30. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (5): "Skandal" bis "Zu guter letzt: Fazit"

photo credit: Eichental Tünnes und Schäl via photopin (license)

Skandal


Skandal "R" us.
Googlet man Köln Skandal, bekommt man knapp über eine halbe Millionen Treffer (das sind 0,5 Skandale pro Kölner 😊). Es geht um etliche Spendenaffären, SEK- und Polizeiskandale, Messe-Skandal, Flughafen-Skandal, Müll-Skandal, Blitzer-Skandal, natürlich diverse Bauskandale, sogar ein "Forensik-Sex-Skandal" ist mit von der Partie.
Aber die schlechte Presse hat Köln einzig den Medien zu verdanken! Denn eigentlich läuft in der Domstadt doch immer alles "wie geschmiert": Eine Hand wäscht die Andere und kein Problem, das sich nicht wegklüngeln ließe. Allein deshalb hoffen so viele Kölner auf den eisernen Besen der parteilosen OB Henriette Reker, die ganz unvorbelastet an die Sache herangehen kann.
Also ganz theoretisch.


Stapelrecht

Ein Grundpfeiler Kölner Größe.
1259 gewährte Konrad von Hochstaden der Stadt Köln das so genannte Stapelrecht, ein außergewöhnliches Privileg: „Keiner der (...) Kaufleute, der mit (...) Waren an den Rhein kommt, [darf] über Köln hinaus weiterziehen (...).“ Es handelte sich um ein "Zwangsrecht": Fremde Kaufleute waren also gezwungen, in Köln ihre Waren auszuladen und drei Tage lang den Kölnern zum Verkauf anbieten. In dafür vorgesehenen Kaufhäusern im Gürzenich oder im Fischkaufhaus (am Platz des heutigen Stapelhauses), teilweise auch an den Kais, wurden die Waren gelagert, gewogen oder gemessen und mit Abgaben belegt -- eine wichtige Einnahmequelle. Vom Stapelrecht profitierte fortan vor allem der Kölner Zwischenhandel, (…) Köln wurde geradezu zur Drehscheibe europäischer Warenströme, der Stapel war bis in die frühe Neuzeit die Grundlage der städtischen Wirtschafts- und Finanzkraft. (vgl. Quelle)


Tünnes & Schäl

Rheinisches Yin und Yang.
Tünnes und Schäl sind Figuren aus dem Hänneschen-Puppentheater. Kohlbauer Tünnes (von "Antonius"), ein rustikal-knollennasiger Typus, mit blauem Kittel und roten Haaren, steht für den die gewitzt-bäuerlichen Wurzeln der Kölner Bevölkerung von Anno Dazumal. Schäl der Schielende, immer im Frack, wird schlitzohrig, listig und sogar hinterhältig dargestellt, er steht für das Bürgertum der Domstadt. Hinter der vordergründigen Schlichtheit der Protagonisten findet sich, während sie sich gegenseitig versuchen über den Löffel zu balbieren, eine feinsinnige Tiefgründigkeit -- Tünnes und Schäl sind das Rheinische Yin und Yang. Obwohl es die beiden nie gegeben hat, gelten sie als Kölner Originale, zu denen normalerweise nur reale Personen gerechnet werden. Den Beiden wurden in Köln einige Denkmäler errichtet, das Letzte vom Kölner Bildhauer Wolfgang Reuter im Jahre 1974. (Vgl. Link)


Ubier

Barbaren, die sich kämmen.
Julius Cäsar, Namensgeber des Monats Juli, bezeichnete den Germanenstamm der Ubier als einzige als "zivilisiert". Die Ubier stellten für die Römer im unwegsamen Gestrüpp die Fremdenführer, zahlten artig ihren Tribut und stellten auch dem römischen Heer Reiterei-Hilfstruppen zur Verfügung. Den anderen, noch ungekämmten, "wilden" Germanenstämmen, war solches natürlich ein Dorn im Auge: "Was zivilisiert ihr Euch?", mag man den Ubiern verständnislos und mit krassem Dialekt entgegengebrüllt haben. Wegen diesem Zuviel an Zivilisiertheit wurden die Ubier von den anderen Stämmen nicht nur gehänselt, sondern sie gerieten recht prekär zwischen die Fronten, sodass sie 19/18 v. Chr. von den Römern ins Linksrheinische umgesiedelt werden mussten, und zwar in die Gegend des heutigen Kölns in die Oppidum Ubiorum.
Heute erinnert im Köln noch der Ubierring an sie.


Hl. Ursula von Köln

11.000-faches Gemeuchel an Märtyrer-Jungfrauen.
Im vierten Jahrhundert n. Chr. zog der Sage nach die bretonische Prinzessin und religiöse Eiferin Ursula mit 11.000 Jungfrauen gen Rom, ein Deal, den sie mit ihrem heidnischen, englischen Verlobten ausgehandelt hatte. Da man in Rom mit enthaltsamen Jungfrauen überhaupt nix anzufangen wusste, entsandte man die Spaßbremsen nach Köln, vielleicht, um sie mit →Kölsch, Schunkeln und Bützen gefügig zu machen wie alle anderen dort. Doch ach! In Kölle war gerade gar kein →Karneval, denn die Stadt wurde justament von den Hunnen belagert, den Orks der damaligen Zeit. So wurden die Damen samt & sonders gemeuchelt, außer et Ursel, denn der Prinz der Hunnen hatte ein Auge auf die Bretonin geworfen und ihr die Verschonung durch Heirat angeboten. Doch der Dame, die vermutlich knöcheltief im Blut ihrer Gefolgsfrauen stand, hatte den Kaffee auf, war ja auch schon mit einem anderen Heiden verlobt und tendierte auch ganz allgemein zur Keuschheit -- so lehnte sie dankend ab. Ein Pfeil setzt ihrem jungen Leben ein Ende. So wurde eine Prinzessin von Außerhalb durch den Mord durch einen Unhiesigen schwupps! zur Heiligen Ursula von Köln.
Siehe auch →Reliquien, →Stadtwappen.


Veedel

Köln besteht aus neun Stadtbezirken und 86 Stadtteilen, Veedel (Viertel) genannt. Zu →Karneval finden hier die Veedelsumzüge statt.


Verkehr

Alle außer Jason Statham machen in Köln besser Park & Ride.
Kölner erklären den Verkehr in Köln immer über "die Ringe", sie malen einem dann etwas Abstraktes auf eine Serviette brabbeln dazu in einer Tour. "Ist ganz einfach", kommt mindestens auf sechs Nennungen, nur doof, dass man als Nicht-Kölner nix rafft. Fakt ist: Wenn man als Nicht-Kölner in Köln ohne Navi mit dem Auto unterwegs ist, ohne jemals mehrere Jahre als Taxifahrer in Kölle sein Brot verdient zu haben, dann ist man am Arsch (siehe Blogbeitrag). Hat man ein Navi, dann ist es nur mäßig schlimm. Das liegt daran, dass, wenn das Navi sagt "In 300 m links abbiegen", dann haben die einheimischen Linksabbieger leider bereits 330 m der Linksabbiegespur so dicht besetzt, dass kein Telefonbuch mehr dazwischen geht. Und Landeier lassen Kölner schon aus Frack nicht rein, schon gar nicht die mit GM-, BM- und W-Kennzeichen.
Der Kölner Autofahrer an sich tritt beherzt aufs Gas, 70 innerstädtisch geht immer. Den halben Kilometerstand hat der Kölner mit Fahren von hier nach da zusammenbekommen, die andere Hälfte stammt vom Parkplatzsuchverkehr. In der Regel parken Kölner ca. 2 km Fußweg von ihrer Wohnung entfernt. Sollte sich doch einmal ein Parkplatz direkt vor der Haustür finden, dann quetschen sie sich schief hinein und fahren nie wieder weg.
Selbst in nichtswürdigen Nebenstraßen kosten Parkuhren gerne 6,00 EUR/Stunde.
Die Kölner Radfahrer sind die Anarchisten im Kölner Straßenverkehr: Verkehrsregeln werden vom Kölner Radfahrer nicht einmal ignoriert.
Der Kölner Fußgänger ist das singende, taumelnde Plankton der Straßen.
Gründe für Staus gibt es immer: Wenn nicht gerade →Karneval ist, dann ist Demo und/oder →FC/Haie/Konzert und/oder Feierabendverkehr (Mehrfachnennungen möglich).
Wie gesagt: Alle außer Jason Statham machen in Köln besser Park & Ride.


Zoo

Check! Einen Zoo gibt es auch.
"1988 reißt der 200 Kilogramm schwere Grizzlybär "Karl-Josef I.", benannt nach dem Karnevalsprinz Karl-Josef Kappes, einen Baum in seinem Freigehege um" (Quelle).
Bemerkenswert: Im Kölner Zoo werden Tiere nach Karnevalsprinzen benannt.
Das gibt es nur in Kölle.




zu guter Letzt: FAZIT

Die Römer bauen im Jahre 310 die erste Rheinbrücke. Dann passiert länger nichts. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. 882 zwingen die Wikinger die Stadt via Brandschatzung, auch mal für eine Stadtbefestigung zu sorgen. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. Durch die beiden milliardenschweren Fantasy-Franchises "Heilige drei Könige" und "Ursula und ihre 11.000" kommt Geld und Reichtum in die Stadt, ebenso durch das Stapelrecht. Die Kölner ruhten sich erst einmal auf ihren Pfründen aus, da reichte auch ein nur in Teilen fertiggestellter Dom. Der Franzos sorgt ab 1794 in Köln für Hausnummern, Straßenbeleuchtung und eine organisierte Müllabfuhr. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. 1859 bauen die Preußen den Kölnern die erste feste Rheinbrücke seit der Römerzeit und organisieren den Rosenmontagszug. Die Kölner kamen in der Zwischenzeit auch irgendwie so klar. 1880 wurde der Dom durch preußische Hilfe nach 632 Jahren Bauzeit endlich fertiggestellt. Die Kölner ... usw.

Wann immer dem Kölner von außen völlig unverdient Gutes widerfährt, dann klammert er sich mit Inbrunst daran fest und lässt es nicht mehr los. Von da an ist es "sein" Stapelrecht, sind es "seine" Ringe, ist es "sein" Dom, "sein" Rosenmontagszug usw.

DAS WIKLICH, WIRKLICH EINZIGE, WOMIT DIE KÖLNER ÜBERHAUPT NICHT KLAR KÄMEN, DAS WÄRE IHR KÖLLE OHNE KARNEVAL.



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