Donnerstag, 22. Juli 2010

Queen Mom 3 - Johanniter-Hotel


hospital meal
Originally uploaded by Rooney.
Queen Mom (82) war wegen Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Mein Bruder und ich wechseln uns mit den Besuchen ab.
Jedesmal bevor ich sie besuche, bekomme ich noch einen Anruf meines Bruders, was ich Muttern wohl noch von zu Hause mitbringen soll (neben "Körperseife" und "Leibwäsche"): eine Hartkäsereibe (die mit dem roten Griff), ein Vogelhäuschen (das Geschindelte, nicht das Gelbe), eine spätassyrische Bodenvase (die mit den geflügelten Löwen), die Altölwanne (türkis, die mit dem "abben" Griff).
Mittlerweile sollte sie fast alles da haben. Den kompletten Haushalt. Ein wenig fürchte ich den Tag ihres "Auszuges" aus dem Krankenhaus, da brauche ich mindestens einen Miettransporter. Und vielleicht sechs Helfer mit Sicherheitsschuhen und Latzhosen. In ihrem Spind auf dem Krankenzimmer geht es mittlerweile zu wie in Mary Poppins' Tasche. Nicht nur der ausgestopfte Tukan stört ein wenig.

Wenn ich sie besuche, klopfe ich an der Krankenhauszimmertür, meine Mitbringsel auf dem Arm.
Knock, knock.
Grabesstille dringt mir aus dem Inneren entgeben.
Knock! Knock!
Nichts.
BOOM!! BOOM!!!
Nix.
Ich öffne die Tür. Die Bettnachbarin meiner Mutter, eine ebenso alte Dame, sitzt direkt an der Tür auf der Bettkante und schaut mich an.
"Hallo!", sage ich.
"Ach so!", sagt sie.
Keine Ahnung, warum sie nie "Herein" sagt, sie hört eigentlich ganz gut.
Muttern ist auf der Toilette, ich warte.
Sie erscheint, wir begrüßen uns, ich überreiche ihr die Mitbringsel.
Muttern legt sich mit ihrem gebügelten Nachthemd auf ihrem Krankenhausbett in Position. Die Rückenlehne ist hochgestellt wie bei einer Récamière. Mineralwasser, Glas, Zeitschriften liegen parat.
"Haben die Ärzte was gesagt?", frage ich.
"Oh ja!", freut sie sich.
"Äh, und was?"
"Da waren fünf Ärzte, und einer von denen hat geredet wie ein Wasserfall!", begeistert sie sich.
"Ja, und was hat er so gesagt?", frage ich.
"Ja, so Fachwörter!"
Ach so...
"Aber heute morgen war ein Mädchen da, das hat mir die Füße gewaschen!"
"Toll!"
Mutter legt sich zurück, entspannt und irgendwie urlaubs-erholt, sie trinkt einen Schluck Mineralwasser und schaut aus dem Fenster. Sie genießt das Leben der Schönen und Reichen im Johanniter-Hotel.
Es sei ihr gegönnt.
"Ach, der Frank soll mir beim nächsten Mal, wenn er vorbeikommt, die Entenlockpfeife mitbringen!"
Geht klar.


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