Mittwoch, 29. Januar 2014

Queen Mom 27 - Seenotrettungsübung

Unterwegs in der Karibik by Lars Tinner
Unterwegs in der Karibik, a photo by Lars Tinner on Flickr.

In 2005 bin ich mit Queen Mom das erste Mal in Urlaub gefahren. Wir zwei waren auf der AIDA in der Karibik -- not too bad! (In 2009 sind wir nochmal gefahren)
Am zweiten Tag auf der AIDA wurde mit großem Gewese und Gedöns via Durchsage eine Seenotrettungsübung angekündigt, die zur allgemeinen Sicherheit stattfinden sollte. Beim Erklingen des Alarms sollten sich alle Passagiere ZÜGIG an bestimmten Sammelpunkten einfinden.
Das Wort "zügig" soll im Weiteren noch eine größere Bedeutung bekommen.
Queen Mom legte ihr abschätziges Gesicht auf.
"Mein Gott! Weißt du eigentlich, bei wie viel Seenotrettungsübungen ich schon mitgemacht habe?", fragte sie.
Ich konntet mit jetz nicht so vorstellen, schüttelte mitm Kopf.
"Na, das hier ist meine 25. Kreuzfahrt!"
Ich war etwas schockiert, aber so war se, de Mutter. Auf jeden Fall: Respekt!!!
Nach einer Weile ging der Alarm los, eine Durchsage erklärte noch mal für Doofe, was jetzt zu tun sei.
Ich zog mir die Schwimmweste aus dem Kleiderschrank an.
"So, komm, lass uns gehen!", sagte ich zu Queen Mom, reichte ihr ihre Schwimmweste, die sie aber huldvoll ignorierte, erwiderte so etwas wie "Pöh!"
Ich verstand nicht so recht.
QM verschwand im Bad und schloss hinter sich ab.
"Hallo?"
Ich wartete fünf Minuten, bollerte auch schon mal vor die Badezimmertür, von innen kam nur "Pöh!"
Die Schwimmweste war nicht zu bequem. Der Alarm schrillte weiter. Mittlerweile kamen Durchsagen im Stil von "An den Sammelpunkten fehlen noch die Passagiere Mühlinghaus und Wenzel!" Zwei Minuten später fehlten nur noch "die Passagiere Mühlinghaus". Nach weiteren fünf Minuten Alarm kam Mom frisch aufgerüscht, gebürstet und nach 4711 duftend aus dem Bad. Ich war bereits im erweiterten Krisenmodus.
"Nu komm!", schnappte ich.
"Immer mit der Ruhe - die müssen auf uns warten", kam es von der erfahrenen Seereisenden.
Na dann ist ja gut! Ja klar, sollte die Gesamtheit aller Touristen und alle Mannschaftsgrade auf dem Schiff ruhig auf uns warten - auf so etwas stehe ich ja besonders.
Ich legte auch ihr die Schwimmweste an.
Unsere Kabinentür flog auf und besorgte Seenotrettungshelfer quollen herein, erwarteten vielleicht Augenzeuge eines Doppel-Suizids zu werden.
"Wir kommen!", kreischte ich mit überschlagender Stimme.
Doch das war leichter gesagt, als getan, da QM - huldvoll wie sie war - sich keinesfalls hetzen ließ: Mit der Gelassenheit einer Hindu-Kuh schritt sie bei mir untergehakt, wie bei einer Prozession den langen Gang entlang. Derweil tickte die Uhr, schrillte der Alarm. Mit dem Aufzug fuhren wir ein paar Stockwerke, kamen am Sammelpunkt an. Die Gesamtheit aller Touristen dieses Abschnitts und alle Mannschaftsgrade standen sortiert nach Kabinen-Nummer an der Reling und starrten uns entweder wut-, hasserfüllt oder wenigstens fassungslos an. Man hatte sie in ihrer Gesamtheit schließlich für eine geschlagene Viertelstunde als Geisel genommen, da man niemanden wegließ, bis alle vollzählig waren. Ein Jüngling mit Klemmbrett machte die letzten beiden ausstehenden Haken aufs Formblatt und verkündete für alle hörbar: "So, Familie Mühlinghaus ist nun auch endlich eingetroffen."
Nach ein paar abschließenden Worten durften sich alle zerstreuen.
Etliche Menschen kamen an uns vorbei, straften uns mit Blicken, murmelten etwas wie "Unglaublich!"
Queen Mom hatte ihr stoisches Gesicht aufgelegt - solches Gebaren ihrer Mitmenschen wurde von ihr nicht einmal ignoriert.

Als wir wieder im Gang zu unserer Kabine unterwegs waren, sagte sie: "Siehst du, ist gar nix passiert, die mussten ja auf uns warten!"
Sicher, sicher.


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