Samstag, 25. Februar 2017

Bürogeplänkel 61 - Ablenkung ist alles


Foto: Leroy Becker vom 25.02.2017, 12:30 Uhr
Seit "Altweiber" (letzten Donnerstag) werde ich als Wuppertaler in der Firma von Kollegin Kathi gedizzt, weil der Narrenruf der Wuppertaler Karnevalisten "Wuppdika!" ist.
Tsts! :P
"Wuppdika!", ruft sie mir hinterher -- na klar, dizzt mal ruhig den Wuppertaler, der sich für Karneval so brennend interessiert wie für Fußball oder den sog. "Rennsport". Gottlob findet sich in Wikipedia eine recht umfangreiche "Liste der Narrenrufe" (hier)  -- und da ist "Wuppdika!" echt die kleinste Sorge:

Schnarragagges!   Heidenei Narrenzunft Kißlegger Hudelmale 
Allamoschee!  Effeltrich
Häbberla Mäh!  Neustadt an der Aisch
Alekerch Schepp Schepp!  Altenkirchen (Westerwald)
Edscha Awoa un Ella Uhu!  Ediger-Eller
Knolli Knolli Schabau!  Scharmede
Kattfiller!  Attendorn

OK. Wem das noch nicht reicht, dem sei gesagt: Das oben eingebettete Bild zeigt die Kaffe- und Milch-Ausgabedüsen unseres hochheiligen Jura-Kaffee-Vollautomaten im Büro von unten und wie sie wirklich sind: ECHT SCHLIMM HART VERRANZT.
Würg!
Was ist dagegen schon "Wuppdika"?

Ablenkung ist alles.


Montag, 20. Februar 2017

"Ich will danebenstehen, während es anbrennt"

photo credit: domit thermomix eve! via photopin (license)

Der Thermomix polarisiert. Ich treffe entweder nur Leute, die schon immer einen haben wollten/einen haben oder Personen, die teilautomatisierte Nahrungszubereitung kategorisch ablehnen. Dazwischen gibt et nix. Alle Fans des Thermomix bekommen IMMER einen geradezu schwärmerischen Gesichtsausdruck -- es ist unmöglich, bei den Ausführungen auf das Wort "geil" zu verzichten oder die Leistung des "TM5" nicht lautmalerisch zu preisen: "WROOOOSCH -- fertig!" Die Gegner schauen verbissen, beginnen mit dem Schwadronieren, dann reden sie sich in Rage. 

Folgende "Argumente gegen den Thermomix" werden mir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fast immer entgegengeschleudert (Mehrfachnennungen möglich):
  • "Ich will selber danebenstehen, während es anbrennt." (75%)
    Hey! Klingt nachvollziehbar.
  • "Was kostet der? 1.200,00 €?!!? Boah!" (70%)
    Komischerweise kennen aber alle den korrekten Preis.
  • "Ich esse keinen Brei!" (60%)
    Niemand hat die Absicht, einen Brei zu kochen. Wirklich.
  • "Ich liebe es, zu kochen, ich will den Kontakt zu den Nahrungsmitteln nicht verlieren!" (50%) Stay in touch, Honey. Raspele deinen Möhrensalat ruhig auf die harte Tour und höre alte Tonbänder mit Klassikaufnahmen dazu.
  • "Es kann nicht braten." (30%)
    Das kann ein Kitchen Aid aber auch nicht, Schweinchen Schlau.
  • "Ich hasse Thermomix!" (15%)
    Puh! Menschen mit ausschließlich binären Sympathien/Antipathien sind mir seit jeher suspekt. Es gibt eine ganze Menge Grautöne, und nicht nur wegen des Buches...

Wenn sich einer eine Spiegelreflexkamera für 1.200 Öcken kauft, dann sagt doch auch keiner:
"Ich zeichne noch alles von Hand!"
"Ich will den Kontakt zu meinen Kontaktabzügen nicht verlieren!"
"Fotografie tötet die klassische Ölmalerei!"

 Wenn sich einer eine pervers große Glotze kauft, dann sagt ja auch keiner:
"Also, wir haben Fenster!"
"Ich will den Kontakt zur Realität nicht verlieren!"
"Er kann nichts drucken!"

Thermomix: Die einen kaufen sich Alufelgen, die Anderen etwas Sinnvolles.


Freitag, 10. Februar 2017

Trauerfeier

photo credit: Missud R.I.P, granny via photopin (license)

Die Tage war ich mit meinem Bruder auf einer Beerdigung. Die Friedhofskapelle war "proppentvoll" (hätte de Mutter gesagt), wir mussten stehen. Das, was nun folgte, war mit gesundem Menschenverstand nicht zu erklären:
  • Die Anwesenden wurden genötigt, drei Strophen des Liedes "424" zu singen. Der Text war vermutlich irgendwann  im Barock unter dem Einfluss von Fliegenpilzen in einem Hungerturm zusammengetackert worden, die "Melodie" waren Zufalls-Tonfolgen. Dazu "sangen" alle: "Lorooo, loroo, lorooo".
  • Der Priester besprenkelte die Urne mit Weihwasser, dann sagte er etwas über Trauer und zitierte aus dem Johannesevangelium, was man, wenn man nach "Trauer Johannes Zitat" googlet, auf Anhieb findet.
  • Die Anwesenden wurden genötigt, etwas mitzubeten, das irgendwie fast alle auswendig konnten, nur die Hardcore-Heidenkinder nicht (Bruder & moi).
  • Der Priester verfiel in einen merkwürdigen schamanistischen Singsang, was aber niemand der Anwesenden groß wunderte (außer die üblichen Verdächtigen).
  • Die Anwesenden wurden genötigt, zwei Strophen des Liedes "337" zu singen. Der Text war vermutlich im Spätmittelalter während eines syphilitischen Fieberschubs entstanden, eine "Melodie" fehlte. Dazu "sangen" alle, die sich die Mühe machten: "Lorooo, loroo, lorooo".
  • Der Priester besprenkelte die Urne schon wieder mit Weihwasser, dann ließ er sich dazu herab, "ausnahmsweise" (Zitat), einen Text über die Verstorbene zu verlesen, den die Familie verfasst hatte. Das einzige Highlight dieser Veranstaltung.
  • Es gab ca. drei bis vier weitere "Programmpunkte", die ich aber vergessen habe, weil ich in ein Kurzzeit-Koma gefallen war.
  • Alle verließen die Kapelle und prozessierten hinter Priester, Familie und Urne her.
Den Priester konnte man jetzt im Licht etwas besser sehen. Er war ein pummeliger Mann, blass wie ein Fischbauch, im weibischen Ornat. Er ließ es sich nicht nehmen, am Grab noch geschlagene 20 Minuten Schall zu emittieren, die Trauergesellschaft harrte derweil im Freien bei 0° C aus.

Jetzt mal in echt: WTF?
Alles, was die Kirche zu dieser Veranstaltung beigetragen hat, war in Teilen bestenfalls "schräg" zu nennen, der überwiegende Rest war muffig bis zur Fäulnis oder total off. Und so zeitgemäß wie ein Exorzismus. Um die Verstorbene ging es hier nicht einmal marginal, sondern nur um das mechanische Abspulen von überkommenem Brauchtum aus der Mottenkiste: "Lorooo, loroo, lorooo". Und hey! Das war schon "evagelisch reformiert", Grundgütiger! Die anwesenden beiden Heidenkinder befiel schon bei dem Gedanken, auf der eigenen Trauerfeier seinen Mitmenschen einmal so einen Kernschrott anzutun, nacktes Grauen.

Hier muss man wohl oder übel zu Lebzeiten selbst Hand anlegen, damit das auch klappt.


Zum Thema:
Blogbeitrag: "Mit TW ins All"
Checkliste: "Die eigene Beerdigung planen"


Sonntag, 5. Februar 2017

"Man" darf einen Scheiß sagen

photo credit: " fragments 'pictosophiques " badiousian conatus differential . . via photopin (license)
Wann immer im Radio "jemand von der Straße" interviewt wird, dann dauert es keine 10 Sekunden, und der Befragte sagt so etwas wie "... man weiß so wenig darüber" oder "... man kann sich so etwas gar nicht vorstellen" oder "... man hört ja so viel" dann frage ich mich immer, von wem die/der Interviewte da gerade überhaupt redet. WTF ist "man"? "Man" wurde doch gar nicht befragt, sondern tatsächlich die munter vor sich hinstammelnde Person da am Mikro!

Der Philosoph Martin Heidegger über "das Man" in seiner Schrift "Sein und Zeit":
"Das Man entlastet [...] das jeweilige Dasein in seiner Alltäglichkeit. Nicht nur das; mit dieser Seinsentlastung kommt das Man dem Dasein entgegen, sofern in diesem die Tendenz zum Leichtnehmen und Leichtmachen liegt." (s. Heidegger, a.a.O.)
 "Diese Entlastung durch das Man ist das Gleiche, was Niklas Luhmann später als „Komplexitätsreduktion durch Institutionen” bezeichnen wird. Offensichtlich benötigt jeder Einzelne solche Identifikationen mit dem „Man” (...), um die Komplexität seines Alltags zu bewältigen." (Quelle)
"Das „Man” findet sich in allen Institutionen, in die sich Menschen einordnen, sei es die Familie, der Wissenschaftsbetrieb[, eine Sport-] oder eine Religionsgemeinschaft. Wer die Unterwerfung anderer unter die „Herrschaft des Man” kritisieren will, muss sich zunächst eingestehen, dass er selbst ebenfalls unter der Regierung eines „Man” lebt." (s. a.a.O.)
Ich versuche, mir solches abzugewöhnen.
Vielleicht sollten du und ich, gerade, wenn es um starke Meinungen geht, versuchen, deutlich mehr Sätze zu bilden, die das Personalpronomen "ich" enthalten. Und wenn eine oder einer mal wieder sagt "Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass ...", dann sollten du und ich jene oder jenen schon aus Frack grundsätzlich fragen: "WER IST MAN UND WIE STEHST DU EIGENTLICH PERSÖNLICH ZU DEM THEMA?!", da sieht die Sache nämlich gleich ganz anders aus.
Bäng!
Denn: "Man" darf einen Scheiß sagen.


Samstag, 4. Februar 2017

Einen Anruf frei

photo credit: Mirko Olandese [01-III. Mug Shot] [Bonus photo] via photopin (license)
Man kennt das: Man wird verhaftet, bekommt alles weggenommen (Schnürsenkel, Gürtel, Tasche und vor allem das Handy) und hat dann einen (1) Anruf frei. In der Reihenfolge. Im Film können immer alle ihren Anwalt anrufen, sie kennen die Nummer wohl auswendig, is klar.
Der durchschnittliche Mensch der Moderne kann heutzutage noch drei (3) Telefonnummern auswendig: seine eigene, die des Partners/der Partnerin und irgendeinen Quatsch. Irgendwo muss es also statistisch gesehen jemanden geben, der fünf (5) Telefonnummern auswendig kann, denn ich kann mir leider nämlich nur eine einzige Nummer merken: Die vom chinesischen Panda-Imbiss in Remscheid-Lennep: 02191 68888.
Ich kann also, sollte ich einmal in diese Lage geraten, das Gericht 43 "knuspriges Hähnchen à la Malaysia" bestellen.
"Na, immerhin", würde de Mutter jetzt sagen.