Dienstag, 21. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (3): "Hilfsbereitschaft" bis "Melaten-Friedhof"

photo credit: Günter Hentschel Bierstöpsel via photopin (license)

Hilfsbereitschaft

Freundliches Völkchen.
Eines Tages fuhr ich mit der U-Bahn vom Ebertplatz aus sonstwohin. Ich war mir unsicher, wann ich wohl aussteigen müsste und fragte einen mir vertrauenswürdig scheinenden Mitpassagier. Direkt hatte ich drei freundliche Kölner an der Backe, die mir versicherten, es seien noch drei Stationen. An der richtigen Station angekommen, machten mich gleich fünf Personen darauf aufmerksam, dass ich JETZT aber mal flugs aussteigen müsse. Wäre ich sitzen geblieben, hätten mich vermutlich sieben nette Kölner aus dem Wagen getragen.
Alle sehr freundlich, sagenhaft!
Fun fact: In Köln kann man sogar Taxifahrer nach dem Weg fragen.


Hohenzollernbrücke

Meistbefahrene Eisenbahnbrücke Deutschlands.
"Mit 1220 Zugfahrten pro Tag ist sie die meistbefahrene Eisenbahnbrücke Deutschlands. Das Bauwerk gilt, zusammen mit dem Kölner Hauptbahnhof, als zentraler Engpass im Schienenverkehr in der Region Köln." (Wiki) Na, hey! Läuft! Und wenn man zu den zwanghaften Typen gehört, die ihrer Liebsten zur "ewigen Liebe" (*zwinker-zwinker*) ein Love-Lock (Blogbeitrag) hängen müssen, dann befindet man sich hier mit bereits 2,731 Millionen angebrachten Schlössern in bester, wenngleich nicht allzu origineller Gesellschaft.


Karneval (offiziell)

Am Aschermittwoch ist alles vorbei.
Das offizielle Kölner Karnevalsprogramm koordiniert das Festkomitee Kölner Karneval.
Die Karnevalssession oder die „fünfte Jahreszeit“ wird offiziell am 11. November um 11.11 Uhr auf dem Kölner Alter Markt bzw. Heumarkt eröffnet. Vor mehreren tausend Karnevalsfans treten die bekanntesten Karnevalsmusiker auf, außerdem wird das designierte Kölner Dreigestirns vorgestellt. Von nun an eskalieren die Aktivitäten schrittweise: Nach der noch beschaulichen Advents- und Weihnachtszeit beginnen ab Neujahr die Karnevalssitzungen und -bälle. Büttenredner, Tanz- und Musikgruppen treten auf. Anfang Januar findet die Prinzenproklamation statt. Der Straßenkarneval wird am Weiberfastnacht, also dem Donnerstag vor Aschermittwoch um 11:11 Uhr eröffnet, ebenfalls auf dem Alter Markt. Die Jecken feiern in den Kneipen und Straßen jetzt einfach bis zum Abend des Karnevalsdienstags durch. Am Karnevalssonntag finden die Kölner Veedelszöch statt. Die besten Fuß- und Wagengruppen der →Veedel werden prämiert und dürfen am nächsten Tag sogar am großen Rosenmontagszug teilnehmen, der der offizielle Höhepunkt des Kölner Karnevals ist.
In der Nacht zum Mittwoch werden in den →Veedeln die Nubbel verbrannt, eine mannsgroße Puppe, die symbolisch für die während des Karnevals begangenen Sünden steht.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei. (vgl. Wiki)


Karneval (inoffiziell)

Am Aschermittwoch ist (fast) alles vorbei.
Mittwoch vor Aschermittwoch: Die nicht-karnevalsaffinen Kölner vernageln spätestens jetzt ihre Läden und Wohnungen und kehren der Stadt den Rücken (Link). Die Hardcore-Karnevalisten geben ihre Kinder direkt für eine ganze Woche zur Oma, da man ja nicht riskieren kann, dass die Pänz im Falle permanenter Abwesenheit der Erziehungsberechtigten in der Karnevalswoche verwahrlosen.
Donnerstag vor Aschermittwoch um 11:11 Uhr: Während im Umkreis von 100 km um Köln jetzt in den Firmen die Korken alkoholfreier Sekts an konfettigesprenkelten Büffets mit Mettberg knallen, kippen die Kölner, die ja allesamt frei haben, alles, was Umdrehungen hat, denn es ist wie an jedem Karneval scheißkalt, da helfen Schabau und →Kölsch und was sonst noch kribbelt und dösig macht. Von nun an eskalieren die Aktivitäten schrittweise: Rein in die Kneipe zum Wasser lassen, aufwärmen und wieder nachtanken, bützen und schunkeln, raus auf die Straße, bützen und schunkeln usw., das Ganze ad infinitum. Dazu spielt es volkstümliche Karnevalslieder à la "Echte Fründe", "Superjeilezick", "Drink doch ene met", "Mer losse d'r Dom en Kölle", "Ich ben ne Räuber", "Die Karawane zieht weiter" (Link) usw., das Ganze ad infinitum. Während der Pegel steigt, kommen sich z.B. der "Verrückte Hutmacher" (Marvin) und "Wonderwoman" (Leonie) -- die natürlich beide getrennt vom eigenen Partner losgezogen sind und sich vorher gar nicht kannten -- gerne auch mal etwas näher. Noch näher. Gegebenenfalls auch viel näher. Es wird Nacht. Auf den Straßen sammeln sich neben dem Müll die Schnapsleichen und es wird wildgepinkelt. Desorientierte Personen, zumeist Karnevalstouristen von Außerhalb stolpern herum und suchen ihre Polinten (Handy, Portemonnaie, Schlüssel), die Freundin oder den Nachtbus.
So geht das tagelang.
Nachdem die Nubbel in den →Veedeln verbrannt sind, ist ja quasi nie nix passiert in Köln...
Im Falle hämmernder Kopfschmerzen wirft man ein paar Migräne Kranit ein und gegen das Brennen im Schritt hilft ein Breitbandantibiotikum. Für den Schwangerschaftstest gilt: Ein positives Testergebnis kann ab dem zweiten Tag nach dem Ausbleiben der Periode als gesichert angesehen werden (vgl. hier).
Am Aschermittwoch ist (fast) alles vorbei.


Kirche

Was Krupp in Essen ist die katholische Kirche in Köln.
Das Erzbistum Köln hat sa-gen-haf-te 3,5 Milliarden € (das sind übrigens 3.500 x 1 Millionen €) in seinem Dagobert-Duck-Geldspeicher, Tendenz steigend. (Quelle)


Klima

Was für Sittiche.
Köln ist geografisch fein eingekuschelt, sodass das schlimme Wetter der Eifel oder des Bergischen Landes hier wie ein schlechter Scherz wirken. Im Winter ist es in Köln gerne mal minimal regnerisch und auch mal ein bissi neblig, während am nahen Leverkuser Kreuz die Schneepflüge sich in Schneewehen festfahren. Schneit es dann doch mal ausnahmsweise in Kölle -- oh weh!, dann schiebt man das Zeug ein wenig hin und her, an den verantwortlichen Stellen nuschelt man "Et kütt wie et kütt" und "Et hätt noch immer jot jejange" und lässt wie immer den Lieben Gott einen guten Mann sein. Dann stapft der Bürger in den Nebenstraßen halt mal zwei Wochen lang durch den über-knöchelhohen Matsch.
Aber wie sehr die Stadt von der Sonne beschienen ist, zeigt, dass lärmende Schwärme wilder Papageien (Halsbandsittiche) in Köln als "Plage" gelten.


Klüngel

Man kennt sich, man hilft sich.
Filz und Korruption gibt es in jeder Stadt. Aber das sind so häßliche Wörter. Köln hat den Klüngel. →Adenauer fasste den Kölschen Klüngel so zusammen: „Man kennt sich, man hilft sich“. Es geht um ein Netzwerken der Parteien und Entscheidungsträger bei einigen Stangen →Kölsch: In Köln klüngelt die CDU sogar (im Verborgenen) mit der Linkspartei. Diese Gefälligkeits-Netzwerke lohnen sich für alle Beteiligten, denn Schlampereien lassen sich auf diese Art & Weise sehr elegant unter den Teppich kehren oder versinken schlicht im Polit-Sumpf.
Die neue, parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat dem Klüngel den Kampf angesagt. Das klappt nicht auf Anhieb: (Link). Ob sie schon bei ein paar Herrengedecken sondierende Einzelgespräche mit den Betreffenden geführt hat, ist nicht bekannt.


Kölsch (Bier)

Stangenware.
Diese Bierspezialität darf "nur in Köln und der näheren Umgebung hergestellt werden. Das obergärige helle, hochvergorene, hopfenbetonte, blanke (klare) Vollbier darf nur in der Kölner Stange serviert werden." (Wiki) Für Außenstehende scheint der Kölner sein Bier aus Reagenzgläsern zu trinken. Dabei geht es dem Kölner um die Frische des Bieres: Einen großen Schluck und einen kleinen, dann bringt der Köbes, der kölsche Kellner, schon wieder ein neues Glas, das geht hier zack-zack. Schales Bier kennt der Kölner nur aus Gruselgeschichten, in denen es um Alt, Pils und Hefeweizen geht.
Für Fans: Der Früh-Fanshop "Em Golde Kappes" (Im goldenen Kohl) hat von 11.00 Uhr bis 24.00 Uhr geöffnet -- für den Erwerb von (vorwiegend flüssigen) "Last-Minute-Geschenken".


KVB

"Komme vielleicht bald"
Wie die meisten Verkehrsbetriebe (außer der Schweizer Bahn, die ist pünktlich, sauber, freundlich UND preiswert: hier) sieht sich auch der KVB ständiger Kritik ausgesetzt. Täglich fahren mit den Bussen und Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe rund 900.000 Menschen, das macht gut 276 Millionen Fahrgäste im Jahr, Tendenz steigend. Bei Umfragen mangelt's an Pünktlichkeit, Sauberkeit, Freundlichkeit, aber hey: anders wär's doch auch gruselig! ;) Im Grunde sind die Kölner mit einem KVB, der um die Schulnote 4 herum bewertet wird, ganz zufrieden (Yelp).
Positiver Ausblick: Dafür, wenn's mit der Warterei mal wieder länger dauert, hat der KVB Leihfahrräder im Programm, die erfreuen sich so großer Beliebtheit, damit schafft man es sogar bis nach Kopenhagen... (Artikel)


Melaten-Friedhof

"Wat fott es es fott"
Der Melaten-Friedhof ist der Zentralfriedhof von Köln. Angefangen hatte der Friedhof als "Leprosium", ein Ort außerhalb der Stadtmauern, an dem man Leprakranke und sonstige Aussätzige hin abschob und sammelte, die „Maladen“ (von französisch „malade“, krank). "Im Jahre 1980 unter Denkmalschutz gestellt, ist der Melatenfriedhof heute ein anziehendes Ausflugsziel, vor allem wegen der vielen hier bestatteten Prominenten, der interessanten Grabmäler und des parkartigen Charakters der Anlage, die eine ökologische Nische mitten in der Großstadt ist." (Wiki)


Stay tuned: Teil 4 erscheint am 26.11.


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